4. Die drei Bienenwesen

Königin, Arbeiterin und Drohn

(Bild Lobitz, hochauflösend)

Ein Bienenvolk ist wie eine Familie und besteht aus vielen Einzeltieren mit hochgradiger Spezialisierung.

Die Bienenkönigin

Die Königin übertrifft die Arbeiterinnen und Drohnen deutlich an Körpergröße. ist aber nicht so breit wie die Drohnen. Sie hat einen längeren nach hinten verjüngenden Hinterleib wobei ihre Bewegungen allgemein als langsam und überlegt anzusehen sind.

Die Bienenkönigin, auch Weisel oder Stockmutter genannt, hält mit Ihren Düften (Pheromonen) das Volk zusammen. Sie ist das einzige vollkommene Weibchen, das befruchtete Eier legt. Durch Ihre Eierlegetätigkeit sorgt sie für fortwährende Nachkommenschaft. Dazu wird ihr in der warmen Jahreszeit eine Legeleistung von bis zu 1500 Eiern pro Tag abverlangt. Ihre Lebensdauer bei guten Bedingungen beträgt 3 bis 4 Jahre. Die Königin entsteht wie die Arbeiterinnen aus einem befruchteten Ei, das allerdings in einer besonders große Zelle, die Weiselzelle, gelegt wird. Die Larve wird von den Arbeiterinnen mit einem speziellen Futter, dem Gelee Royal, versorgt. Dadurch entwickelt sie sich in 16 bis 17 Tagen, vom Ei angerechnet zur Königin.

Königin schlüpft aus der Brutzelle

Im Gegensatz zu den Arbeiterinnen sind bei Ihr die Geschlechtsteile besonders ausgebildet. Cirka eine Woche nach dem Schlüpfen verlässt die Königin die Beute zum Hochzeitsflug. Dabei wird sie von mehreren Drohnen begattet. Der in der Samenblase gespeicherte Samen reicht bis zum Tode der Königin sofern er vorher nicht verbraucht ist. Nach der Begattung beginnt die Königin mit der Ablage der Eier in die von den Arbeiterinnen vorbereiteten Wabenzellen. Arbeiterinnen und Königinnen können nur aus befruchteten Eiern entstehen. Die Königin kann auch unbefruchtete Eier legen. Diese werden in die größeren Zellen gelegt und es entstehen daraus die männlichen Drohnen. An der Größe der Wabenzelle erkennt die Königin ob sie ein befruchtetes oder unbefruchtetes Ei zu legen hat.

Die Arbeiterinnen

Die  Arbeiterinnen sind die kleinsten Wesen der Bienenschar und bilden die Masse des Volkes. Während von März bis Juni die Zahl der Arbeiterinnen eines Volkes auf bis zu ca. 40.000 ansteigt, reduziert sich die Zahl von Juli bis zu zum Winter auf etwa 10.000 bis 15.000. Die Arbeiterinnen sind unterentwickelte Weibchen, deren Eierstöcke zwar vorhanden aber im Allgemeinen keine Eier produzieren. Dafür sind andere Organe zweckdienlich entwickelt. Ein langer Rüssel, die Honigblase und die entsprechend geformten Beine sind zur Herbeischaffung der Nahrung wichtig. Ebenso die Wachsdrüsen zur Produktion der Waben und der Stechapparat zur zur Abwehr von Feinden.

Die Entwicklung vom Ei bis zum Schlüpfen dauert in der Arbeiterinnenzelle 21 Tage. Während ihrer arbeitsreichen Lebenszeit von 4 bis 6 Wochen hat die Arbeiterin verschiedene Arbeiten zu verrichten. In den ersten drei Lebenstagen reinigt sie Zellen aus denen junge Bienen geschlüpft sind. Danach beginnt bis etwa dem 13. Lebenstag die Pflegetätigkeit der heranwachsenden Brut. Anschließend sind sie für weitere Stockarbeiten, wie Beute reinigen, Nektar und Honigtau invertieren, Polen in die Zellen einlagern sowie Wachs produzieren und zu Waben verbauen zuständig. Ab dem  Alter von etwa 18 bis 20 Tagen verrichten sie am Flugloch Wächterdienst und sorgen durch Fächeln für die richtige Temperatur und Luftfeuchtigkeit im Stock. Danach spielt sich ihre Tätigkeit überwiegend im Außenbereich ab. Als Flugbiene ist sie bis zu ihrem Lebensende für das Heranschaffen von Nektar, Honigtau, Blütenstaub, Wasser und Kittharz (Propolis) zuständig. Die ernorme Arbeitsleistung als Flugbiene kann ermessen werden, wenn die Strecke ermittelt wird, die ein Volk zurücklegen muss, um ein Glas (1 Pfund) Honig zu produzieren. Hierzu ist eine Flugstrecke von ca. 150.000 km zurückzulegen.

Arbeiterin und Drohn

Die Drohnen

Die dicken „Brummer“ im Volk sind die Drohnen. Sie dürfen in jedes Volk einfliegen und werden ebenso gut versorgt wie die Brut und die Königin. Ihre einzige Funktion ist paarungsbereite Jungköniginnen zu finden und zu begatten. Zur Begattung treffen sich Drohnen und Königin auf den Drohnensammelplätzen. Aus Entfernungen bis zu 10 km werden diese Plätze angeflogen. Dort wird die Königin in ca. 10 m Höhe von bis zu 10 Drohnen begattet. Der Drohn stirbt unmittelbar bei der Paarung.

Die Drohnen wachsen in den etwas größeren Drohnenzellen aus einem unbefruchteten Ei in 24 Tagen heran. Drohnen sind in normal entwickelten Völkern nur in den Monaten April bis Mitte August anzutreffen. Im Spätsommer kommt es zur sog. Drohnenschlacht. Sie werden als unnötiger Ballast bei der Überwinterung angesehen, deshalb nicht mehr versorgt und zuletzt aus dem Stock gezerrt.

(Quelle: Franz Lampeitl „Bienen halten“)