11. Bienenkrankheiten, Schädlinge, Gefahren und Feinde

(Bild Lobitz, hochauflösend)

Auch Honigbienen haben wie alle anderen Lebewesen Krankheiten und fallen trotz ihrer Wehrhaftigkeit Schädlingen und Feinden zum Opfer.

Der Schlüssel für die Existenz gesunder Bienen und Insekten liegt in einem für die Art intakten Lebensraum mit ausreichend Nahrungsangebot und geeigneten Nistplätzen.

Für eine gesunde Ernährung und die Brutpflege benötigen Honigbienen, Hummeln, Wildbienen und Insekten ein vielfältiges Pollen und Nektarangebot über den gesamten Zeitraum ihrer Aktivität im Jahr, also von März bis Oktober.

Durch die weltweite Industrialisierung der Landwirtschaft werden immer noch größere, zusammenhängende Flächen mit Monokulturen bestellt. Die Folge daraus ist, dass für Bienen und Insekten für kurze Zeit, wohl ein üppiges, jedoch oft nur einseitiges Nahrungsangebot besteht.
Erschwerend kommt hinzu, dass für die Energieerzeugung in vielen Regionen Jahr für Jahr großflächig dieselbe Monokultur angebaut wird.
Viele Wildbienenarten sind spezialisiert auf eine bestimmte Pflanzengattung und können sich nur von den Blüten dieser Pflanzen ernähren. Sie haben nur einen kleinen Flugradius von wenigen hundert Metern. Ist die entsprechende Pflanzengattung in ihrem Lebensraum nicht vorhanden, verschwindet in diesem Bereich auch die entsprechende Wildbienenart.

In Streuobstwiesen, die wöchentlich mit einem Rasenschnitt kurz gehalten werden, hat keine Pflanze eine Chance zu blühen. Wenn nichts blühen kann, haben Bienen, Hummeln und Insekten auch hier keine Lebensgrundlage. Wird die Streuobstwiese nur zweimal pro Jahr gemäht, entsteht ein wertvolles Refugium für Hummeln, Wildbienen und Insekten.

Honigbienen leben und überleben im Winter und Sommer als Volk auf engstem Raum. Auch im Winter benötigen sie täglich Futter um ihren Nestbereich auf eine Temperatur von ca. 18 bis 20 °C zu erwärmen, um nicht zu erfrieren. Ein Honigbienenvolk besteht im Winter aus ca. fünf bis zehntausend und im Sommer bis zu ca. 40.000 Bienen. Wo so viele Individuen das ganze Jahr auf engstem Raum zusammenleben, können sich auch Bakterien, Viren und Pilze ausbreiten.

Es gibt verschiedene, auch ansteckende Krankheiten der Honigbienen. Die wichtigsten sind nachfolgend aufgeführt:

Krankheiten der Bienenbrut

Wachsmottengespinst mit Kot von der Raupe

Kalkbrut und Steinbrut sind Pilzerkrankungen die mit bloßem Auge zu erkennen sind.

Sackbrutvirus: weitere Informationen:
https://de.wikipedia.org/wiki/Sackbrut-Virus

Die Bösartige Faulbrut oder auch Amerikanische Faulbrut (AFB) genannt, ist eine durch das hochansteckende Bakterium Bacillus larvae verursachte Krankheit, wodurch die Brutlarven sterben. In einer befallenen Larve können sich bis zu 2,5 Milliarden Sporen bilden, die wiederum jahrzehntelang haltbar und gegen Hitze und Kälte beständig sind. Diese Brutkrankheit ist eine anzeigepflichtige Seuche. Ob eine Sanierung oder Abtötung der erkrankten Bienenvölker durchzuführen ist, entscheidet der Amtstierarzt.

Die Gutartige Faulbrut wird auch als Europäische Faulbrut, Sauerbrut oder Stinkbrut bezeichnet und kann nach genauer Abklärung durch gezielte Maßnahmen des Imkers ohne Einsatz von Medikamenten geheilt werden.

Von der Varroa befallene Brutlarven (Bild: F. Neumann)

Die Varroose ist eine Milbenseuche die von der Varroamilbe (Varroa destructor) verursacht wird und jährlich viele Bienenvölker zugrunde richtet. Die Diagnose und Behandlung der Bienenvölker erfordert größte Aufmerksamkeit und Sorgfalt des Imkers.

Die Varroamilbe ist ein kleiner, ca. 1,6 mm großer Parasit. Sie kann sich nur in der verdeckelten Bienenbrut vermehren. Diese Milbe wurde erstmals 1977 in Deutschland festgestellt und wurde vermutlich mit befallenen Honigbienen aus Asien eingeschleppt.

Die Varroamilbe klettert geschickt auf die erwachsenen Bienen, sticht diese an und saugt das Blut der Biene. Die Milben lassen sich von den Bienen zu den Brutzellen transportieren, in die sie kurz vor der Verdeckelung eindringen. Nach ca. 2 – 3 Tagen legt die Milbe das erste Ei, das unbefruchtet ist und sich zu einem Männchen entwickelt. Danach legt die Milbe im Abstand von ca. 1,5 Tagen jeweils ein befruchtetes Ei, das sich zu einem Weibchen entwickelt. Die geschlüpften Tochtermilben werden, sobald sie Geschlechtsreif sind, noch in der verdeckelten Brutzelle vom Männchen (Bruder) begattet.

Die Milbe und ihre Nachkommen ernähren sich vom Blut der Bienenlarve, wodurch diese in ihrer Entwicklung wesentlich gestört wird und teilweise mit verkrüppelten Flügeln und Hinterleib schlüpft. Die Stichstellen sind offene Wunden, durch die Viren und Bakterien in die Bienen eindringen können.

Der Imker muss rechtzeitig und regelmäßig seine Bienenvölker kontrollieren und die Bienen gegen die Varroamilbe behandeln. Gemäß Bienenseuchenverordnung ist in Deutschland der Imker zur Behandlung befallener Bienenvölker verpflichtet.

Brutprobleme durch die Königin sind Drohnenbrütigkeit oder Weisellosigkeit. Drohnenbrütig bedeutet, dass die vorhandene Königin nur noch unbefruchtete Eier legt. Weisellosigkeit beutet, das Bienenvolk hat keine Weisel = Bienenkönigin mehr. Ohne rechtzeitigen Eingriff des Imkers werden solche Bienenvölker sterben.

Krankheiten der Erwachsenen Bienen

Nosematose, Amoebenruhr, Ruhr, Maikrankheit

Viruserkrankungen:

  • APVirus (Akute-Paralyse-Virus)
  • CPVirus (Chronische-Paralyse-Virus)
  • CWVirus (Trübe Flügel Virus, Cloudy Wing Virus)

Anzeigepflichtige Krankheiten

Die Amerikanische Faulbrut (AFB), der kleine Beutenkäfer und die Tropilaelaps-Milbe sind anzeigepflichtige Tierseuchen. Schon der Verdacht ist dem zuständigen Veterinäramt sofort anzuzeigen. Anzeigepflichtig ist der Bienenhalter. Zum Schutz der Bienen gibt es in Deutschland die Bienenseuchenverordnung (BSVO), die wichtige Vorschriften in der Bienenhaltung regelt. Auch die Haltung von Bienen, bereits ab einem Volk ist aus Gründen der Bienenseuchenbekämpfung beim Veterinäramt Meldepflichtig.